Mittelmeerraum.html

 
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Karte des Mittelmeerraums mit Begrenzungslinie
Bild:Mittelr.jpg
Der Mittelmeerraum im Satellitenbild: aridere Regionen erscheinen gelblich, humidere grün.
Stadtansicht von Antibes (Frankreich). Berge, Meer und kulturelles Erbe machen den Mittelmeerraum zu einer bevorzugten Touristenregion.
Stadtansicht von Porto (Portugal). Trotz ihrer Lage am Atlantik gehört die Stadt zum Mittelmeerraum. Handel und Weinbau bestimmten ihre Geschichte wie die der ganzen Region.
Blick auf die Pietra di Bismantova im Apennin, Italien. Das Binnenland ist ländlich geprägt.

Der Mittelmeerraum ist die Großregion rund um das Mittelmeer.

Der Mittelmeerraum ist eine transkontinentale Region, die das Mittelmeer mit den darin liegenden Inseln, und die küstennahen Festlandregionen dreier Kontinente erfasst, die zu Südeuropa, Vorderasien und Nordafrika gerechnet werden. Der Begriff Mittelmeerraum lässt sich nach physisch-geographischen und politischen, vor allem aber nach klimatologischen und kulturellen Kriterien abgrenzen, die sich zum Teil wechselseitig bedingen.

Gemeinhin wird das natürliche und potenzielle Verbreitungsgebiet des Olivenbaums als Faustregel für die Bezeichnung des Mittelmeerraums akzeptiert. Man spricht daher auch von der Ölbaumgrenze. Diese Definition setzt den Mittelmeerraum also mit der Verbreitung des Mittelmeerklimas im Bereich Europa, Vorderasien und dem nördlichen Afrika gleich. Da der Olivenbaum aber einerseits nicht überall gedeiht, wo ein typisch mediterranes Klima herrscht (z. B. in den Gebirgen), andererseits einige Küstenregionen des Mittelmeeres bereits in benachbarten Klimaregionen liegen, wird der Mittelmeerraum auch weiter gefasst. Zudem herrscht Einigkeit darüber, dass bestimmte Regionen, die zwar ein mediterranes Klima aufweisen, aber zu weit vom Mittelmeer entfernt liegen, nicht zu der Großregion gehören. Dies betrifft beispielsweise Gebiete um das Schwarze Meer und die Höhenlagen des Zagros-Gebirges im Iran.

Die Staaten, deren Gebiete an diesem Raum teil haben, werden Mittelmeerländer oder Mittelmeeranrainerstaaten genannt. Die meisten dieser Anrainerstaaten, z. B. Frankreich, die Türkei oder die Länder Nordafrikas gehören nur zu einem kleinen Teil zum Mittelmeerraum. Andererseits wird Portugal und Jordanien aus kulturellen und klimatischen Gründen der mediterranen Welt zugerechnet, obwohl sie überhaupt keine Küste zum Mittelmeer haben.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Geographie

Bearbeiten Geographische Lage

Insgesamt erstreckt sich dieses Gebiet über 1,35 Millionen km² Landmasse und 2,5 Millionen km², die das Mittelmeer bedeckt. Als nördlichster Punkt gilt der Alpenfuß in Venetien, der westlichste Punkt ist das Cabo da Roca bei Lissabon. Im Osten und Süden markieren die Übergänge zur Syrischen Wüste bzw. zur Sahara die Grenzen, wobei die Grenzziehung im Süden willkürlich ist, denn dort reicht das Wüstenklima (z. B. bei Port Said im Norden des Sinai) unmittelbar bis an die Küste heran.

Der Mittelmeerraum teilt sich über die drei Kontinente Europa, Afrika und Asien auf. In Europa erstreckt er sich ganz oder teilweise über Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Griechenland und die europäische Türkei, die Kleinstaaten Andorra, Monaco, San Marino, Vatikanstadt sowie Malta. Der asiatische Teil liegt in der asiatischen Türkei sowie Syrien, Libanon, Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten und Jordanien sowie die Insel Zypern. In Afrika gehören die nördlichen Landesteile von Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko zum Mittelmeerraum.

Bearbeiten Klima

Der Mittelmeerraum ist fast ausschließlich vom nach ihm benannten Mittelmeerklima bestimmt. Der mediterrane Klimatyp wird der subtropischen Klimazone zugerechnet und heißt auch Winterregenklima der Westseiten. Dieses Klima ist, gemessen am gesamten Landanteil, das weltweit am geringsten verbreitete – nur zwischen 1,7 und 3% der Landoberfläche werden ihm zugerechnet. Der Mittelmeerraum nimmt allein zwischen 50 und 60% dieses Anteils ein, ähnliche Klimate finden sich in recht kleinen Abschnitten anderer kontinentaler Westseiten (Kalifornien, Mittelchile, Südafrika, Südwestaustralien).

Dieses Klima kommt dadurch zustande, dass sich die Region im Einflussbereich zweier Großwetterlagen befindet: Im Sommer bestimmt das Azorenhoch das Geschehen, indem es sich praktisch über den ganzen Mittelmeerraum ausbreitet. Windarmes, sonnenscheinreiches Wetter ist die Folge – vereinfacht gesagt wandert das Wüstenklima der Rossbreiten im Sommer nach Norden. Im Winter stellt sich ein umgekehrter Effekt ein: das Hoch verlagert sich nach Süden und lässt den Mittelmeerraum im Einflussbereich der Westwinde zurück. Es stellt sich eine typische Zugbahn winterlicher Zyklone ein, die über Nordeuropa von sibirischen und skandinavischen Hochs nach Süden abgedrängt werden und daher in den Mittelmeerraum ziehen. Dort können sie sich über dem Mittelmeer immer wieder mit Wasser anreichern, so dass sie bis in den Nahen Osten Regen bringen.

Charakteristisch für das Mittelmeerklima sind daher milde, regenreiche Winter und heiße, trockene Sommer. Das Verbreitungsgebiet des Olivenbaums fällt mit der 5°-Januarisotherme zusammen, das entsprechende Klima wird auch als Ölbaumklima bezeichnet. Die höheren Lagen sind generell kühler (heißester Monat unter 22 °C) – hier wird von Erikenklima gesprochen. Unterschiede in den Klimaausprägungen bestehen aber nicht nur zwischen Tief- und Hochlagen, sondern auch zwischen nördlichem und südlichem, westlichen und östlichen Mittelmeerraum.

Klimadiagramm Rom
Klimadiagramm Marseille
Klimadiagramm Antalya

Im westlichen Mittelmeerraum fällt tendenziell höherer Niederschlag. Dies betrifft insbesondere die Westseiten der Kontinentalmassen, an denen sich winterliche Zyklonen abregnen können. So übersteigen die Niederschlagsmengen z. B. an der Ligurischen Küste (Genua) und in Nordportugal die 1000-mm-Marke, auch Rom, Algier und Gibraltar erhalten reichliche winterliche Regenmengen. Der östliche Mittelmeerraum ist dagegen deutlich kontinentaler geprägt – nur die Westseiten der Gebirge (Levanteküste, Montenegro, Westgriechenland) erreichen noch Niederschlagshöhen über 500 mm im Jahr, während die Ostseiten schnell sehr trocken werden können.

Zudem sind die nördlichen Regionen grundsätzlich kühler und feuchter als die südlichen. Auch die Länge der sommerlichen Trockenheit nimmt von Nord nach Süd und von West nach Ost zu. Sind in Avignon beispielsweise nur etwa 45 Tage im Jahr arid, steigt dieser Wert in Jerusalem auf fast 200 Tage an.

Bezeichnend für mediterranes Klima sind starke Variabilitäten in Niederschlag und Temperatur. So können insbesondere im kontinentalen Ostteil späte Wintereinbrüche mit Schneefall noch im März auftreten, andererseits sind Hitzeperioden von deutlich über 40 °C und lange Dürren keine Seltenheit. Die winterlichen Regen können sintflutartige Ausmaße annehmen und erreichen teilweise an einem einzigen Tag das Mehrfache eines ganzen Monatsdurchschnitts. Überschwemmungen und verstärkte Erosion sind die Folgen. Katastrophal für die Landwirtschaft kann das Aufeinanderfolgen mehrerer nasser oder trockener Jahre sein.

Am Südrand des Mittelmeeres erfolgt bereits der Übergang zu Steppen- und sogar Wüstenklima. Das Steppenklima beginnt unterhalb von 300 mm Jahresniederschlag und betrifft weite Teile der libyschen und ägyptischen Küste, aber auch einige kleinräumige Regionen in Spanien: Im Windschatten des zentralspanischen Hochlandes (der Meseta) und der angrenzenden Gebirge erhält das Kap Gata bei Almería beispielsweise nur noch etwa 200 mm. Gaza muss mit 130 mm auskommen. Im äußersten Süden reicht die Wüste bis an die Küste heran.

Der Nordrand der Adria wird bereits in die gemäßigte Zone gerechnet. In der Poebene, in Venetien und an der slowenischen Küste tritt keine geschlossene Trockenperiode mehr auf, obwohl die Temperaturen auch dort mild ausfallen. Das weiteste Vordringen des Mittelmeerklimas nach Norden wird im Rhônetal beobachtet, wo die klimatypischen Ausprägungen bis etwa 45° nördlicher Breite beobachtet werden.

Typische Winde im Mittelmeerraum sind

  • der Mistral, ein trockener Fallwind im Rhônetal aus nördlichen Richtungen
  • der Chamsin, ein trockenheißer Wüstenwind an der Levanteküste,
  • der Scirocco, ein aus Südwest bis Süd wehender, warmer Wind, der aus der Sahara über das Mittelmeer zieht und sich dort mit Feuchtigkeit auflädt,
  • die Bora, ein sehr kalter, oft stürmischer nordöstlicher Fallwind in Dalmatien,
  • der Meltemi (auch Etesien genannt), ein in der Ägäis auftretender sommerlicher Nordwind.

Bearbeiten Geologie

Der Mittelmeerraum ist eine tektonisch sehr aktive Region, die über der Schnittstelle mehrerer Kontinentalplatten liegt. Die südliche Hälfte ist Bestandteil der Afrikanischen Platte, die sich nach Norden bewegt und dabei langsam unter die im Norden befindliche Eurasische Platte schiebt. Zwischen ihnen befindet sich die kleinere Anatolische Platte, entlang derer die stärksten Verkeilungen auftreten, so dass im östlichen Mittelmeerraum häufig noch stärkere Erdbeben auftreten als im Westen. Die kollidierenden Platten haben dazu geführt, dass fast der ganze Mittelmeerraum in die Zone der alpidischen Faltung geraten ist. Mächtige Gebirge bestimmen den größten Teil der Küsten und ihres Hinterlandes.

Die Plattengrenzen im westlichen Mittelmeerraum

Neben der Faltung hat es im Tertiär jedoch auch Bruch- und Wanderungstendenzen gegeben: Iberien löste sich von Afrika und trieb separat auf Eurasien zu, bevor der afrikanische Kontinent folgte. Zudem lösten sich Korsika und Sardinien von der europäischen Halbinsel und bewegten sich in einer 90°-Grad-Kurve auf Italien zu.

Die ältesten Gesteinsformationen finden sich in Nordostafrika, das Bestandteil des afrikanischen Schildes ist. Auch die Iberische Halbinsel besteht zum größten Teil aus alten oder metamorphen Gesteinen: Hier sind beispielsweise mächtige Granitmassive zu finden. Der Rest des Mittelmeerraums wird größtenteils aus Gebirgsformationen des Tertiär gebildet, als die Kollision der Platten alten Meeresboden um tausende Meter nach oben drückte. Hier haben sich die prägenden Kalksteingebirge erhoben, die aufgrund schneller Verwitterung oft ein sehr steiles Relief bilden. Diese werden ergänzt durch Ergussgesteine (Basalt) aufgrund hoher vulkanischer Aktivität entlang der Plattengrenzen. Somit ist der Mittelmeerraum geologisch gesehen als jung zu bezeichnen. Bis auf einige Sedimentablagerungen der Flussebenen fehlen allerdings die erdgeschichtlich jüngsten Ausprägungen, insbesondere die der tertiären Eiszeiten, die beispielsweise das Erscheinungsbild Nord- und Mitteleuropas geprägt haben.

Bearbeiten Relief

Ein typisches Faltengebirge: Die Pyrenäen
Nordkorsische Küste: Die Gebirge reichen oft bis unmittelbar an das Meer heran

Die Lage innerhalb einer bis heute tektonisch aktiven Zone begünstigt ein insgesamt kräftiges Relief mit hoher Reliefenergie, das zum größten Teil von hohen Faltengebirgen, zu einem geringeren Teil aber auch von Vulkanen gebildet wird. Die Gebirgszüge sind aufgrund ihrer Höhe oft die Klimascheiden des mediterranen Klimas zum gemäßigten, beziehungsweise zum Wüstenklima. In Europa wird so der Mittelmeerraum durch einen fast durchgehenden Riegel nach Norden abgegrenzt, der vom Kantabrischen Gebirge über die Pyrenäen, das Zentralmassiv, die Alpen und deren südöstliche Fortführung besteht: Das Dinarische Gebirge, in Kroatien und Montenegro, rückt sogar bis unmittelbar an die Küste heran, so dass das mediterrane Gebiet hier auf wenige Kilometer Breite gestaucht wird. In den Rhodopen findet dieser Riegel seinen Abschluss. Innerhalb des Mittelmeerraums befinden sich die iberischen Zentral- und Randgebirge (Sierra Nevada, Küstenkordillere und Kastilisches Scheidegebirge), der Apennin in Italien und die griechischen Gebirgszüge. Auch auf allen größeren Inseln finden sich Massive, die teils die Fortführung kontinentaler Gebirge darstellen.

Die Türkei ist vom Relief ähnlich aufgebaut wie Spanien: Hohe Randgebirge umschließen eine zentrale Hochebene. Im Unterschied zum kastilischen wird das anatolische Hochland aufgrund des raueren Klimas allerdings nicht mehr zum Mittelmeerraum gezählt, so dass das Taurus-Gebirge, das die ganze Südtürkei durchzieht, ebenfalls als Klimascheide zählt. An der Levanteküste riegelt das Libanon-Gebirge den Mittelmeerraum gegen die leeseitig gelegene Wüste ab. In Afrika schafft der Atlas ebenfalls eine eindeutige Grenze zur Wüste. Einzig die libysche und ägyptische Küste weisen kein ausgeprägtes Relief auf.

Da die Hauptkämme der nördlichen Grenzgebirge definitiv nicht zum Mittelmeerraum gezählt werden, gilt der Toubkal (4165 m) im Hohen Atlas als dessen höchste Erhebung. In Europa stellt der Mulhacén (3482 m) in der Sierra Nevada den höchsten Gipfel. Höchster Berg der Inseln und gleichzeitig höchster Vulkan Europas ist der Ätna mit ca. 3380 Metern, wobei aufgrund der regen Tätigkeit die Gipfelhöhe über die Jahre schwankt.

Die orographischen Verhältnisse lassen nur wenig Platz für Ebenen: Laut Geländeklassifikation der FAO gelten nur 29% der Fläche als flach bis wellig gegenüber 53% welligem bis bergigem Land (dominante Hangneigung über 8%) und immerhin 18% gebirgigem Land mit einer Hangneigung über 30%. Ebenen finden sich vor allem in geologisch alten Regionen (spanische Meseta und Nordafrika ohne Atlas) und in den wenigen Sedimentbecken.

Bearbeiten Gewässer

Rhône-Delta, im Hintergrund die Seenreihe des Languedoc

Fast alle Flüsse im Mittelmeerraum münden in das Mittelmeer. Soweit diese in der selben Region entspringen, sind sie zumeist kurz und weisen ein starkes Gefälle auf. Längere Flüsse bilden sich, wenn das Quellgebiet in feuchten Klimaregionen liegt (Nil, Rhône, Po) oder ein größeres Gebiet entwässert wird (Ebro, in Richtung Atlantik auch Tajo, Duero, Guadalquivir). Je höher die Wasserführung, desto stärker ist der Sedimenttransport, so dass weite Schwemmlandebenen entstehen können. Flüsse, die ins Mittelmeer münden, neigen dann zur Delta- und Neulandbildung im Mündungsbereich. Diese Regionen sind zugleich die fruchtbarsten des ganzen Mittelmeerraumes.

Seen existieren im Mittelmeerraum zumeist nur in kleinem Ausmaß. Entlang der französischen Mittelmeerküste im Languedoc liegen eine Reihe Süß-, Brack- und Salzwasserreservoire, die durch die speziellen Windverhältnisse gebildet wurden: Flugsand wird durch den Mistral parallel zur Küste getrieben, wodurch sich ehemalige Buchten vom offenen Meer abgeschnürt haben. Je nach nachträglichem Süßwassereintrag variiert die Salinität des entsprechenden Sees. Der größte dieser Seen ist der Étang de Vaccarès im Rhônedelta. Weitere Seen bilden sich in hügeligem oder gebirgigem Gelände, sind aber zumeist klein. Ein bekannter Vertreter ist der Trasimenische See in Umbrien. Soweit im Mittelmeerraum abflusslose Gebiete existieren, können sich außerdem Salzseen (Schotts) bilden, die im Sommer bisweilen völlig austrocknen. Dies ist vor allem auf den Hochlagen des Atlas der Fall.

Eine Besonderheit der iberischen Halbinsel ist die hohe Zahl von künstlichen Stauseen, die sich entlang der großen Flüsse fast ununterbrochen aneinander reihen. Die tiefen Flusstäler in sonst relativ flachem Gebiet erleichtern den Bau von Staudämmen, die durch die reichliche winterliche Wasserzuführung genügend Wasser für jahreszeitenunabhängige Wasserwirtschaft zurück halten können. Im restlichen Mittelmeerraum ist für wirtschaftlich betriebene Stauseen kaum geeignetes Gelände zu finden.

Bearbeiten Böden

Im Mittelmeerraum sind die Bodenverhältnisse aufgrund der kleinteiligen Landschaft uneinheitlich. Zudem ist keiner der auftretenden Bodentypen als ausschließlich mediterran klassifiziert, denn alle Böden treten ebenfalls in benachbarten Regionen auf. Im Allgemeinen weisen sie eine rote bis bräunliche Farbe auf. Bodentypen mit roter Farbe werden auch als Terra Rossa und am ehesten als typisch mediterran bezeichnet. Dieser Boden eignet sich recht gut für die Landwirtschaft: Auch wenn er partiell nährstoffarm ist, weist er dafür eine gute Speicherfähigkeit auf, ist gut belüftet und hält Wasser auch über die Sommermonate. Ausgesprochen nährstoffreich sind Fluvialböden, die aber unter winterlicher Staunässe leiden können.

Insgesamt sind nur 40 % der Böden für die Landwirtschaft geeignet, da der Rest entweder zu flachgründig, zu felsig oder zu stark geneigt ist. Dieser Bodenanteil wird allerdings sehr intensiv bewirtschaftet.

Bearbeiten Ökosystem

Insgesamt zeichnet sich der Mittelmeerraum durch eine besondere Artenvielfalt aus: Die Biodiversität wird auf 400.000 bis 600.000 Tier- und Pflanzenarten geschätzt, was etwa einem Zwölftel der weltweiten Biodiversität entspricht. Nach einer Studie von Conservation International aus dem Jahr 2000 beherbergt allein der Mittelmeerraum 13.000 der weltweit 300.000 endemischen Arten. Eine Ursache hierfür ist die Kleinräumigkeit der Region, die Platz für ökologische Nischen lässt. Damit einher geht andererseits eine geringe Anzahl von Individuen pro Art, so dass eine Störung des Gleichgewichts weitreichende Folgen hat. Die Empfindlichkeit des Ökosystems und erhebliche Schädigungen durch menschliche Eingriffe haben dazu geführt, dass etliche Arten vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben sind. Mit einer verbliebenen natürlichen Vegetation von nur noch 3% ist der Mittelmeerraum von Conservation International zu einem so genannten Hot Spot erklärt worden, einem Gebiet mit besonders gefährdeter ökologischer Vielfalt.

Siehe auch: Ökologische Höhenstufen der Mediterraneums

Bearbeiten Vegetation

Die Steineiche hat einen hohen Anteil an der mediterranen Vegetation
Pinien dominieren die Nadelwaldgebiete
Die Macchie ist die degenerierte Form des Hartlaubwaldes

Die Vegetation im Gebiet um das Mittelmeer ist durch die Klimaveränderung und natürliche Selektion im Tertiär entstanden. Mit Ende der Eiszeiten hat sich in dieser Region jeweils der sommertrockene, subtropische Klimatyp eingestellt, so dass feuchtigkeitsliebende Pflanzen nach Norden abgedrängt und – je nach Biotop – immergrüne Hartlaubgewächse oder Nadelhölzer bestimmend wurden. Zwar ist aufgrund Jahrtausende alten menschlichen Eingriffs die ursprüngliche Vegetation nur schwer zu bestimmen, aber es ist wahrscheinlich, dass der Mittelmeerraum einst vollständig von Wäldern dieser Arten bedeckt war. Typische Vertreter sind im Westen die Steineiche (Quercus ilex) und die Korkeiche (Quercus suber), im Osten der Olivenbaum (Olea europaea) und der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua). In feuchteren Gebieten haben sich bis heute Restbestände von Lorbeerwäldern erhalten. Pinien, Zypressen und Zedern dominieren in der höher gelegenen Nadelwaldstufe. Laubabwerfende Bäume wie Ulme, Pappeln, Platane und Kastanie sind in den Auen und Flusstälern verbreitet. Grenzen dieser Vegetationsformen werden durch Feuchtigkeit im Norden, Trockenheit im Süden und Osten sowie Kälte in den Höhenlagen gebildet.

Seit den ersten Hochkulturen befindet sich diese vom Menschen kaum nutzbare Vegetationsform auf dem Rückzug in unzugängliche Gebiete mit schlechter Bodenqualität. Im Gefolge von Rodung, Weidewirtschaft oder Brand (der durch Blitzeinschlag allerdings auch natürlich vorkommt) bildet sich eine degenerierte Form des Hartlaubwaldes. Dieser Sekundärwald erreicht nur noch bis zu 5 Metern Höhe und ist bedeutend artenreicher, da hier dichtes bis undurchdringliches Unterholz gedeihen kann. Im Allgemeinen wird er mit dem aus dem Italienischen stammenden Wort Macchie bezeichnet, trägt aber in jedem Sprachraum einen eigenen Namen. Hier gedeihen Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Baumheide (Erica arborea) und die zu Sträuchern degenerierten immergrünen Eichenarten, oft auch Lorbeer (Laurus nobilis) und der Mastixstrauch (Pistacia lentiscus).

Je intensiver die Übernutzung, desto niedriger und lichter wird die Vegetation: Die nächste Degenerationsstufe stellt die Garrigue dar, deren Sträucher und Zwergsträucher noch höchstens mannhoch werden. Baumarten kommen nur noch in Krüppelform vor, der Boden ist oft locker mit Ginsterbüschen und Kräutern wie Minze, Thymian, Salbei, Lavendel und Rosmarin bedeckt. Über das Stadium der Trockengrasrasen kann im Extremfall schließlich der nackte Fels zum Vorschein kommen, der nur noch wenigen resistenten Arten in Spalten Lebensraum bietet.

Bis zu einem gewissen Grad ist diese Entwicklung umkehrbar, jedoch nur solange eine ausreichende Humusdecke erhalten bleibt. Erodiert diese aufgrund mangelnder Durchwurzelung, bilden sich Felstriften, auf Kalkgestein meist Karstlandschaften, auf weichem Untergrund auch so genannte Badlands, in die abfließendes Wasser tiefe Schluchten gräbt. Diese Gebiete sind für menschliche Nutzung verloren.

Die Vegetation in Steppenklimaten wird von Sukkulenten, Dornsträuchern und anderen Xerophyten bestimmt. Halfagras (Stipa tenacissima), Christusdorn (Zizyphus lotus) und Wermut (Artemisia inculta) sind endemische Arten, sehr weit verbreitet sind auch eingeführte Pflanzen wie Opuntie und Agave. Charakteristisch ist der Vegetationsschub in der feuchten Jahreszeit, in der viele einjährige Pflanzen eine kurze, intensive Blüte zeitigen.

Bearbeiten Tierwelt

Die Ziege, eine Grundlage mediterraner Viehwirtschaft und Verursacher von Vegetationsschäden.

Die Fauna im Mittelmeerraum ist ursprünglich sehr vielfältig. In den Höhenlagen vor allem des Atlas hat sich ein Teil der ursprünglichen Großfauna erhalten können: Hier leben Braunbären, Wildkatzen, Wildschweine, Schakale, Füchse, Hirsche und einige Wölfe. Auffällig ist auch der Artenreichtum an Vögeln, von denen der Großteil Zugvögel sind – alleine im Mittelmeerraum gibt es drei bis vier Zugrouten für wandernde Arten. So findet man verschiedene Arten von Adlern, Habichten und Eulen, Wild wie Fasan, Rebhuhn, Perlhuhn und eine unübersehbare Anzahl von Singvögeln. In der Nähe von Feuchtgebieten haben Pelikane, Flamingos und Kraniche ihr Revier. Weit verbreitet sind Schwalben, insbesondere die Mehlschwalbe.

Die Kleinfauna ist unter anderem durch eine Vielzahl an Reptilien geprägt. Eidechsen, Schlangen und Schildkröten leben im Mittelmeerraum. Auch Gliedertiere sind reichlicher als in Nordeuropa vertreten. Dagegen sind unterhalb der Bodendecke lebende Tiere eher selten.

Der Mittelmeerraum ist natürliche Heimat einer Reihe von Haustieren wie Esel, Schaf, Ziege und Taube. Diese leben domestiziert, aber auch wild oder ausgewildert. Wild lebende Katzen und Hunde sind besonders in der Nähe von Siedlungen häufig anzutreffen. Durch den menschlichen Einfluss sind ursprünglich im Mittelmeergebiet heimische Arten dafür heute nicht mehr zu finden. Beispiele sind Löwe, Krokodil und der bereits im 17. Jahrhundert ausgerottete Auerochse.

Bearbeiten Marines Ökosystem

Auch das Mittelmeer selbst ist extrem artenreich. Es finden sich einerseits zahlreiche Fischarten wie Sardinen, Thunfische, Schwertfische, Haie und Doraden, andererseits auch eingewanderte oder endogene Meeressäuger wie Delfine und verschiedene Walarten. Auch Mollusken wie Seeigel, Tintenfische, Muscheln, Krebse und Meeresschnecken sind in hoher Artenvielfalt zu beobachten. Aufgrund des warmen, überdurchschnittlich salzhaltigen Wassers, das zudem eine geringe Austauschkapazität mit dem Atlantik besitzt, sind Nährstoff- und Sauerstoffangebot im Wasser gering. Dies hat zur Folge, dass ein hoher Evolutionsdruck besteht, sich aber in den zahlreichen ökologischen Nischen – ähnlich wie auf dem Land – wenige Individuen pro Art ausbilden.

Blick über die Straße von Gibraltar

Das Mittelmeer ist seit Jahrmillionen ein Motor der Evolution. Aufgrund der äußerst schmalen Verbindungen zu anderen Meeren stellt es sozusagen einen Brutkasten dar, der jedoch mit benachbarten Gewässern in Austausch steht. Derzeit wird beispielsweise eine zunehmende Mediterranisierung des Schwarzen Meeres beobachtet, die oft auf Wassererwärmung infolge des Klimawandels zurückgeführt wird. Auch umgekehrte Wanderungen sind möglich: Die Meeressäuger sind vermutlich über die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer gelangt.

Bearbeiten Menschliche Eingriffe

Seit Tausenden von Jahren ist der Mittelmeerraum durch Kultivierung und Nutzung durch den Menschen geprägt, so dass in weiten Teilen die ursprüngliche Flora und Fauna nicht mehr rekonstruierbar ist. Angesichts der lang anhaltenden, sich immer weiter verstärkenden Einflussnahme hat sich eine Vielzahl ökologischer Probleme ergeben, die in einigen Regionen bereits katastrophale Ausmaße anzunehmen drohen. Das Mittelmeer ist eines der am stärksten verschmutzten Meere der Erde.

Bearbeiten Waldzerstörung

Bereits in vorchristlicher Zeit hatte unkontrollierter Holzeinschlag die unwiederbringliche Zerstörung vieler Wälder zur Folge: Phönizier und später Römer nutzten die Zedernbestände im Libanongebirge und im Atlas zur Gewinnung von Bauholz, da Zedernholz sehr hart und robust ist. Vor allem zum Schiffbau wurde es eingesetzt. Brennholzeinschlag in besiedelten Gebieten verschärfte das Problem zusätzlich.

Mit steigender Bevölkerung kam es außerdem zu einer enormen Ausweitung landwirtschaftlich genutzter Fläche, wodurch die Wälder im Zuge massiver Rodungen insgesamt an Fläche abnahmen. Einheimische Bevölkerung wurde in die schwer zugänglichen, bislang intakt gebliebenen Waldgebiete zurückgedrängt und musste dort überleben. Hierdurch wurden diese durch menschliche Nutzung, insbesondere durch unkontrollierte Waldweide, ebenfalls geschädigt.

Ein besonders auffälliger waldschädigender Faktor sind Waldbrände. Diese kommen, beispielsweise durch Blitzeinschlag, natürlich vor, so dass sich einige Pflanzen bereits hieran angepasst haben. Gelegentliche Brände sorgen sogar für einen besseren Austausch der Biomasse. Durch menschlichen Einfluss haben Waldbrände allerdings derart drastische Formen angenommen, dass die Regeneration der Waldbestände oft unmöglich wird. Betrug der Abstand zwischen zwei Waldbränden unter natürlichen Umständen zwischen 20 und 100 Jahren, ist er heute wesentlich kürzer. In Sardinien werden jährlich über 20 Feuer pro 100 km² gezählt.

Waldbrände haben unter anderem zugenommen, weil die menschliche Besiedlung sehr dicht geworden ist. Unbekümmerter Umgang mit offenem Feuer ist die Hauptursache, außerdem sind wirtschaftliche Motive wie Bodenspekulation und gar politische Motive (Waldbrand als Zeichen des Protests z. B. auf Korsika) die Gründe für zunehmende Brandstiftung in neuerer Zeit.

Bearbeiten Bodendegradation

Intensive Landwirtschaft in sommertrockenen Gebieten führt fast zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Bodenverhältnisse: Da eine ausreichende Durchwurzelung des Bodens nicht mehr gegeben ist, verstärkt sich die Wind-, vor allem aber die Wassererosion. Starkregen im Winterhalbjahr waschen die Erdkrume, die von Wurzeln nicht mehr gehalten wird und schnell mit Flüssigkeit gesättigt ist, fort. Sommerliche Dürre lässt den verbliebenen Boden schneller austrocknen.

Dieser Kreislauf hat dazu geführt, dass ehemalige „Kornkammern“ wie Sizilien und der Maghreb heute ihre Lebensmittelversorgung nicht mehr aus eigener Kraft sichern können. Trockenfeldbau mit teilweise mehrjährigen Brachen prägt das Landschaftsbild. Eine Ausnahme stellt die sommerfeuchte Poebene dar. In den übrigen Gebieten wurde zumeist versucht, Wassermangel durch Bewässerung zu mindern, was in den meisten Fällen zu einem dramatischen Absacken des Grundwasserspiegels geführt hat. Diese Gegenden sind heute massiv von Wüstenbildung bedroht. Gemildert werden diese Effekte durch die winterlichen Niederschläge, die dauerhafte Bodenversalzung verhindern, aber trockene Jahre können zum völligen Verlust von Kulturland führen.

Etwa die Hälfte des Mittelmeerraums hat unter starker bis sehr starker Bodendegradation zu leiden. Obwohl die langfristigen Folgen bisher nicht abschätzbar sind, wird vermutet, dass sie weitreichenderen Schaden als die allgemeine Klimaerwärmung hervor rufen können.

Bearbeiten Emissionen

In einem sensiblen Ökosystem können Schadstoffeinträge gravierende Konsequenzen zeitigen. Da der Mittelmeerraum bereits früh verhältnismäßig dicht besiedelt war, sind Folgen der Umweltverschmutzung schon seit Langem zu beobachten. Bevölkerungsexplosion, Industrialisierung, Motorisierung und die moderne Landwirtschaft haben dazu geführt, dass die Emissionswerte immer weiter gestiegen sind und einzelne Biotope mittlerweile als in ihrer Existenz gefährdet gelten.

Besonders das Mittelmeer selbst leidet unter zunehmender Vergiftung. In den weniger entwickelten Ländern in Afrika und dem Nahen Osten sind ungeklärte Siedlungsabwässer der Hauptfaktor, in Südeuropa dagegen der Eintrag landwirtschaftlicher und industrieller Abwässer. So werden über Rhône und Po, aber auch über die kleineren Flüsse erhebliche Mengen an Schwermetallen und chemischen Substanzen ins Meer geführt. Großflächige Überdüngung führt außerdem zum Einschwemmen von Nitraten und Phosphaten, die in der besonders austauscharmen Adria schon wiederholt zu Algenblüten geführt haben. Die rege Schifffahrt und einzelne Standorte von Ölhäfen und Raffinerien sorgen zudem für eine extreme Belastung durch mineralische Schadstoffe. Experten schätzen die Folgen eines eventuellen Tankerunglücks als katastrophal ein, aber selbst der Status Quo lässt die Organisation Greenpeace schon das Umkippen ganzer Ökosysteme befürchten. Da sich das Wasser im Mittelmeer im Schnitt nur alle 80 Jahre einmal austauscht und der Süßwassereintrag aufgrund von Land- und Wasserwirtschaft ständig verringert, verschärft sich dieses Problem täglich von selbst. Die erheblich gesunkene Wasserqualität führt jeden Sommer zur Sperrung von Badestränden.

Bearbeiten Einschleppung von Arten

Eine massive Bedrohung der Artenvielfalt entsteht durch das durch den Menschen verursachte Einschleppen fremder Arten in das mediterrane Ökosystem. Dies betrifft insbesondere das Mittelmeer selbst, was am Beispiel des Sueskanals deutlich wird. Seit dessen Eröffnung sind Tausende Arten tropischer Fische, Quallen und Schalentiere in das Levantinische Becken eingewandert, wodurch es zu einer weitgehenden Tropikalisierung des östlichen Mittelmeeres gekommen ist. Mangels natürlicher Fressfeinde verbreiten sich diese Arten auf Kosten der ursprünglichen Fauna und verdrängen diese. Verschärft wird das Problem durch das Aussetzen von Zierfischen und Algen aus Aquarien sowie die moderne Schifffahrt, die über abgelassenes Ballastwasser ganze Populationen aus fremden Gewässern ins Mittelmeer pumpen. Auf diese Weise sind einige Biotope bereits von folgenreichem Artensterben betroffen.

Bearbeiten Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Mittelmeerraumes

Die mediterrane Welt gehört seit frühester Zeit zu den zentralen Weltregionen. In den Ländern, die an das Mittelmeer grenzen, entstanden im Altertum u.a. die Hochkulturen der alten Ägypter, Phönizier, Hethiter, Griechen und Römer. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. verband das Römische Reich den Mittelmeerraum in einer politischen Einheit. Diese zerbrach zunächst aufgrund der Teilung in eine West- und eine Oströmische Reichshälfte und endgültig im 5. Jahrhundert unter dem Ansturm germanischer Völker (siehe Spätantike).

Nach den Eroberungen der Araber im 7. und 8. Jahrhundert, ging allmählich auch die kulturelle Einheit des Raumes verloren. Das Mittelmeer blieb weiterhin eine wichtige Brücke für den Handel und den kulturellen Austausch zwischen Orient und Okzident, wurde aber auch zur Grenze zwischen dem christlichen Abendland im Norden und der Welt des Islam im Süden. Konflikte entstanden besonders durch die Piraterie der islamischen Korsaren aus dem Maghreb und der christlichen Malteserorden, die beide Schiffe mit Besatzungen kaperten, die der jeweils anderen Religion angehörten. Die nordafrikanischen Korsaren überfielen zudem auch oft europäische Küstenstädte und betrieben einen schwunghaften Sklavenhandel. Mit der Entdeckung der Seewege nach Amerika und Indien durch spanische und portugiesische Seefahrer im ausgehenden 15. Jahrhundert ging die zentrale geopolitische Bedeutung des Mittelmeerraums weiter zurück. Die Machtzentren verlagerten sich nach Nordeuropa und an die Küsten des Atlantik. Erst die Eröffnung des Suezkanals im Jahr 1869 führte zu einem erneuten Aufschwung von Schifffahrt und Handel. In den letzten Jahrzehnten rückt die doppelte Bedeutung des Mittelmeerraums als Brücke und kulturelle Grenze zwischen West und Ost – etwa im Libanon oder im Nahostkonflikt – wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Weltinteresses.

Bearbeiten Bevölkerung

Der Mittelmeerraum ist seit vorgeschichtlicher Zeit ein überdurchschnittlich dicht besiedeltes Gebiet, das aufgrund der interkontinentalen Lage durch verschiedenste Ethnien, Sprachen, Religionen und Kulturen geprägt war und ist. Die genaue Einwohnerzahl ist aufgrund der Abgrenzungsproblematik schwierig anzugeben, grob geschätzt beläuft sie sich 2005 auf etwa 250 Millionen Einwohner.

Bearbeiten Bevölkerungsgruppen und Sprachen

Die Verbreitung der Berber in Nordwest-Afrika

Im mediterranen Raum herrscht eine vielfältige ethnische Zusammensetzung: Arabische Bevölkerungsgruppen dominieren Nordafrika und den Vorderen Orient bis zur türkischen Grenze, bilden dort aber nicht überall eine homogen auftretende Bevölkerung. Insbesondere in Marokko und Algerien bilden einheimische Völker wie die Berber wichtige Bevölkerungsminderheiten. In Israel stellen Juden die Bevölkerungsmehrheit, die wiederum aus verschiedensten Heimatländern eingewandert sind. Zahlenmäßig eher unbedeutende europäische Minderheiten finden sich außerdem in fast allen arabischen Ländern.

Die Türkei ist in ihrem mediterranen Teil ethnisch relativ homogen. Neben Türken finden sich dort nur noch verschwindend kleine Minderheiten von Griechen oder Armeniern. Diese sind fast sämtlich kurz vor der Gründung des türkischen Staates im Gefolge verschiedener Kriege und teils mit grausamsten Mitteln aus dem Land vertrieben worden (siehe hierzu auch Völkermord an den Armeniern und Griechisch-Türkischer Krieg). Die Kurden als größte ethnische Minderheit lebt an der Mittelmeerküste hauptsächlich im Raum Adana als Zielgebiet vieler Binnenflüchtlinge. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben sich insbesondere in den Touristenzentren der Türkischen Riviera kleine Gemeinschaften dauerhaft dort lebender Europäer (vor allem Deutsche) gebildet. Aus anderen Ländern umgesiedelte oder aus Gastarbeiterschaft zurück kehrende Türken siedeln sich ebenfalls häufig entlang der Mittelmeerküste an.

In Europa sind die Staaten und Bevölkerungen seit der Entstehung der Nationalstaaten relativ deckungsgleich. Das Ende des letzten offiziellen Vielvölkerstaates im Mittelmeerraum, Jugoslawien, war von so genannten ethnischen Säuberungen begleitet, so dass nur noch Bosnien-Herzegowina mehrere gleich starke Bevölkerungsgruppen aufweist. In den EU-Ländern Spanien, Frankreich, Italien, Slowenien und Griechenland dagegen sind nur kleine offizielle Minderheiten vertreten. Die Katalanen in Spanien und die Korsen in Frankreich betrachten sich allerdings als eigene Volksgruppen. Minderheiten jeweiliger Nachbarländer leben oft in der Nähe der Staatsgrenzen, beispielsweise zwischen Isonzo und Istrien, wo sich Italiener, Slowenen und Kroaten mischen. In Griechenland bestehen albanische und mazedonische Minderheiten, deren Status aber offiziell nicht anerkannt wird. Eine Rolle spielen daneben eingewanderte Ethnien, insbesondere nordafrikanische Gastarbeiter, die in Spanien und Frankreich zum Teil in ghettoähnlichen Verhältnissen leben. Die Minderheit der Roma lebt in allen europäischen Ländern. Sie stellt jeweils mindestens 0,5% der Landesbevölkerung, in einigen Staaten auch mehr als 5%. Einziger geteilter Staat in der EU ist Zypern, dessen nördlicher Teil seit einer Besetzung 1974 durch türkische Truppen als Türkische Republik Nordzypern de facto unabhängig ist.

Viele Sprachengruppen sind im Mittelmeerraum vertreten. Die indogermanische Sprachfamilie beherrscht den europäischen Teil, wobei von Portugal bis einschließlich Italien die romanischen Sprachen verbreitet sind. Neben den Nationalsprachen Portugiesisch, Spanisch, Französisch und Italienisch halten sich in einigen, meist ländlichen Regionen noch Relikte früher weiter verbreiteter Sprachen, wie das Okzitanische in Südfrankreich. In der Vatikanstadt gilt Latein als Amtssprache. Slawische Sprachen wie u.a. Kroatisch und Slowenisch werden an der Ostküste der Adria gesprochen; Albanisch und Griechisch stellen eigene indogermanische Sprachzweige dar. Ein Spezialfall ist Malta: Hier wird Maltesisch gesprochen, das auf kreolisiertem Arabisch basiert und italienische und englische Einflüsse aufgenommen hat. Das Arabische als Vertreter der semitischen Sprachfamilie beherrscht den Raum von Marokko bis Syrien, wobei es je nach Region in verschiedenen Dialekten gesprochen wird. Hebräisch ist Staatssprache in Israel. Mit Türkisch ist auch eine Turksprache im Mittelmeerraum verbreitet.

Mediterrane Handels- und Verkehrssprache ist heutzutage Englisch, bis zu einem gewissen Grad auch Französisch. Die Bedeutungszunahme dieser Sprachen hat eine ureigene Handelssprache des Mittelmeerraums, die Lingua Franca, bereits seit dem 19. Jahrhundert vollständig verdrängt.

Bearbeiten Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung im Mittelmeerraum ist gekennzeichnet von einem starken Wachstum entlang der Küstenstreifen und Bevölkerungsabnahme im Binnenland. Ursache für die damit zusammenhängenden Binnenwanderungen ist vor allem das erhöhte Arbeitsplatzangebot infolge besserer wirtschaftlicher Entwicklung und Diversität im Vergleich zu den fast durchweg ländlich gebliebenen Landesteilen abseits der Küsten. Auch das günstige Klima, einer der Faktoren für Lebensqualität, spielt eine Rolle. Eine Ausnahme von dieser Entwicklung stellen lediglich die wenigen inländischen Ballungsräume wie Madrid und Oberitalien dar, die eine lange administrative oder industrielle Tradition aufweisen.

Das natürliche Bevölkerungswachstum hat sich in historischer Zeit – bis auf Zeiten von Epidemien oder Kriegen – stetig verstärkt, bis es im 20. Jahrhundert in eine exponentielle Phase eingetreten ist. Seitdem hat sich die Situation in Europa vom Rest des Mittelmeerraumes abgekoppelt: In Italien und Slowenien ist die Bevölkerung nach 1990 rückläufig, ansonsten sehr schwach steigend oder stagnierend. Allein Albanien wächst noch mit einer Rate von über 2% pro Jahr. Dagegen hält das Bevölkerungswachstum in Afrika und im Nahen Osten aufgrund hoher Geburtenraten unvermindert an und erreicht in Palästina über 4% pro Jahr.

Aus wirtschaftlichen, zum Teil auch aus politischen Gründen ist das Mittelmeergebiet von Wanderungsbewegungen betroffen. Während sich politisch motivierte Wanderung auf die Krisenherde beschränkt (Kriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien und im Nahen Osten), hat die Migration von armen in reiche Regionen seit den 1990er Jahren massive Ausmaße angenommen. Inoffizielle Einwanderung stellt besonders die Staaten vor Probleme, die geographisch nahe an beträchtlich ärmeren Regionen liegen, wie Spanien (gegenüber Marokko) und Italien (gegenüber Albanien).

Bearbeiten Städte und Ballungsräume

Satellitenaufnahme von Istanbul, mit über 11 Mio. Einwohnern größter Ballungsraum des Mittelmeerraums.
Valencia ist bedeutender Standort von Wissenschaften, Kunst und moderner Architektur.
In Thessaloniki drängt sich moderne Bebauung zwischen historische Substanz.

Der Mittelmeerraum ist stark verstädtert und weist eine Vielzahl an Verdichtungsräumen auf. Drei von ihnen werden mittlerweile (Stand: 2005) als Megastadt bezeichnet: Istanbul (11,5 Mio.), Madrid (6 Mio.) und Algier (5,5 Mio.) zählen in ihren Agglomerationen jeweils über 5 Millionen Einwohner. Agglomerationen über eine Million Einwohner sind

In dieser Aufzählung sind nur die Ballungsräume vertreten, die im Mittelmeerraum liegen, wobei einige Grenzfälle auftreten: Nicht weit entfernt vom Mittelmeerraum liegen die Megastadt Kairo (Agglomeration von 17,5 Mio. Einwohnern) und weitere millionenstarke Ballungsräume wie Aleppo und Damaskus in Syrien.

Einige Städte zeichnen sich durch besonders starkes, teilweise unkontrolliertes Wachstum aus. Dies betrifft die genannten Megastädte, aber auch andere Agglomerationen, und hat verschiedene Ursachen. Antalya hat beispielsweise in 40 Jahren seine Bevölkerung insbesondere im Gefolge des Massentourismus fast verfünfzehnfacht. Tirana mit 800.000 Einwohnern im Jahr 2005 hat nach dem Ende der restriktiven Siedlungspolitik der albanischen Kommunisten einen massiven Zustrom der Landbevölkerung erfahren und in weniger als 15 Jahren seine Bevölkerung verdoppelt. Eine Verdopplung seiner Einwohnerzahl hat Tripolis nach der wirtschaftlichen Öffnung Libyens in weniger als zehn Jahren erfahren. Ballungsräume wie Gaza wachsen vor allem durch Flüchtlingsbewegungen und die natürliche Geburtenrate.

Bearbeiten Religion

Die Hagia Sophia in Istanbul: als christliche Basilika gebaut, unter den Osmanen zur Moschee umgestaltet.
Glockenturm in Ronda (Spanien): als Minarett errichtet, nach der Reconquista zu christlichen Zwecken umgestaltet.

Alle drei großen monotheistischen Religionen sind im Mittelmeerraum vertreten bzw. sogar entstanden und blicken auf eine lange Tradition zurück.

Das Judentum entstand um 1500 v. Chr. und erfuhr seitdem eine wechselvolle Geschichte, die mehrfach die Religion und ihre Anhänger an den Rand des Überlebens brachte. Die Anfänge der Religion liegen im Nahen Osten (heutiges Palästina und Israel, teils auch Jordanien); durch Vertreibung, Verschleppung und Wanderung hat das Judentum allerdings bis ins 20. Jahrhundert weitgehend nur in der Diaspora existieren können. Erst mit der Gründung von Israel wurde der erste jüdische Staat der Geschichte gebildet. Jüdische Minderheiten waren im ganzen Mittelmeerraum über Jahrtausende präsent und übernahmen wichtige Funktionen im Wirtschaftsleben. Blühende Gemeinwesen in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland wurden spätestens seit dem Mittelalter immer wieder ins Exil vertrieben, ghettoisiert oder gar in Pogromen vernichtet. Heute leben nur noch verschwindend kleine Gruppen in diesen Ländern, da insbesondere die Überlebenden des Holocaust nach Israel oder in die USA emigrierten.

Das Christentum verbreitete sich ab dem 1. Jahrhundert – ursprünglich als Abspaltung vom Judentum – von Palästina aus über Kleinasien, Ägypten, Griechenland bis in das römische Kerngebiet. Nach jahrhundertelanger Verfolgung gelang den Christen der Durchbruch im 4. Jahrhundert mit dem Toleranzedikt von Mailand unter Konstantin dem Großen. Im Verlaufe der folgenden Jahrhunderte prägten Gegensätze zwischen West- und Ostkirche das Bild. Dieses „Große Morgenländische Schisma“ wurde nie aufgehoben. Die Reformation des 16. Jahrhunderts konnte im Mittelmeerraum dagegen nie Fuß fassen. Das Christentum dominiert in Europa, wobei der westliche und zentrale Teil bis Kroatien römisch-katholisch geprägt ist und der Papst als geistliches Oberhaupt in Rom residiert. Die griechisch-orthodoxe Konfession ist weitgehend auf Griechenland und die Republik Zypern beschränkt. Nennenswerte christliche Bevölkerungsanteile (hauptsächlich Maroniten) kann der Libanon aufweisen, in den asiatischen und afrikanischen Ländern sind sie ansonsten sehr klein. Vereinzelt finden sich weitere christliche Konfessionen wie die syrisch-orthodoxe Kirche und die Kopten in Ägypten.

Der Islam als jüngste der drei Religionen breitete sich im 7. Jahrhundert in den Mittelmeerraum aus und verdrängte in Nordafrika und der Levante, später auch in Kleinasien und Teilen Südosteuropas nach und nach die ursprünglichen religiösen Gemeinschaften. Die Reconquista und die Selbstbefreiung des Balkan haben islamische Einflüsse in Europa allerdings immer wieder zurückgedrängt. Mehrheitlich islamisch geprägt ist in Europa nur noch Albanien, einen bedeutenden muslimischen Bevölkerungsanteil stellt außerdem Bosnien-Herzegowina. Die Muslime im Mittelmeerraum sind mehrheitlich Sunniten, in der Türkei bezeichnen sich über 18% als Aleviten. Daneben sind insbesondere im Nahen Osten Schiiten, in kleineren Gemeinschaften auch Drusen vertreten.

Bearbeiten Politik

Die Staats- und Regierungsformen sind vielfältig und zum größten Teil historischer und religiöser Traditionen geschuldet. Während in Europa seit den späten 90er Jahren überall parlamentarische Demokratien installiert sind, gilt selbiges im übrigen Raum nur für die Türkei und Israel. In den verbleibenden islamischen Staaten herrschen autoritäre Regierungsformen vor. Eine politische Einheit, die den ganzen Mittelmeerraum umfasst, ist aus diesen Gründen auch langfristig nicht vorstellbar.

Bearbeiten Staatsverfassungen und Verwaltung

Auch wenn die Grundlagen moderner Regierungs- und Verwaltungsformen weitgehend im Mittelmeerraum schon zu antiken Zeiten ihren Ursprung hatten, sind die aktuellen demokratischen bzw. republikanischen Traditionen bedeutend jünger. Seit dem Übergang zum Gotteskaisertum im Römischen Reich war die Region für lange Zeit durch Monarchien, Adels- und Feudalgesellschaften geprägt. Republikanische Verfassungen entstanden erst im Mittelalter in den reichen Handelsländern Italiens (Genua, Venedig), sie waren allerdings von einer kleinen Kaufmannsschicht bestimmt und führten keine wirklich demokratischen Verhältnisse ein. Demokratie nach heutigen Maßstäben setzte sich erst nach der französischen Revolution 1789 langsam und von stetigen Rückschlägen begleitet durch: Die längste Phase ununterbrochener Demokratie währt in Frankreich – abgesehen von Zeiten der Fremdbesatzung – seit 1871, in Italien seit 1945, in Israel seit 1947, in Portugal seit 1975, in Spanien seit 1976, in Griechenland seit 1980, in Albanien und den ehemaligen jugoslawischen Staaten sogar erst seit den 90er Jahren. Die Türkei hat nach Ende der Militärdiktatur 1981 zwar einen formal demokratischen Staat aufgebaut, wirkliche Demokratie scheint sich allerdings erst seit den weitgehenden Reformen ab 2003 (Minderheitenrechte, Pressefreiheit, Justizreform) langsam zu etablieren.

Monarchien sind im Mittelmeerraum mittlerweile selten geworden. Parlamentarische Monarchien bestehen in Spanien und im Zwergstaat Monaco, in Marokko gilt formal noch die absolute Monarchie. Jordanien ist eine Monarchie mit beschränkten parlamentarischen Vollmachten. Sonderformen bilden der Vatikan, der als Theokratie vom Papst mit absoluten Vollmachten regiert wird, und Andorra, das eine weltlich-geistliche Doppelspitze in der Verfassung verankert hat. Alle anderen Staaten sind republikanisch verfasst. In den arabischen Ländern herrschen Systeme vor, die auf der Macht eines zumeist nicht demokratisch gewählten Präsidenten oder einer Einparteiendiktatur beruhen. Zumeist wird diese Macht militärisch abgesichert. Auffällig ist, dass diese Systeme zumeist säkular sind und die innerstaatliche Opposition nicht hauptsächlich von Demokraten, sondern vor allem von Fundamentalisten betrieben wird. Die Trennung von Staat und Religion ist am deutlichsten in den beiden demokratisch verfassten und explizit laizistischen Staaten Frankreich und Türkei ausgeprägt.

Bearbeiten Konflikte und Kooperationen

Szenario zukünftiger EU-Erweiterungen: Bei Aufnahme aller bestehenden und wahrscheinlichen Kandidaten wäre die gesamte Nordhälfte des Mittelmeerraums in der EU organisiert.
Rauf Denktaş, langjähriger Präsident der nordzyprischen Teilrepublik
Jassir Arafat (r.) mit Ehud Barak (l.) und Bill Clinton: Trotz gelegentlicher Abkommen kommt der nahe Osten kaum zur Ruhe.

Zwischenstaatliche Konflikte spielen im europäischen Teil des Mittelmeerraumes nur noch eine untergeordnete Rolle und werden mit diplomatischen Mitteln beigelegt. Selbst in der Zypernfrage, in der sich die Positionen zwischen der griechisch-zypriotischen Regierung im Südteil und dem türkisch kontrollierten Nordteil unter der Regierung Denktaş Jahrzehnte lang nicht bewegt haben, scheint eine friedliche Lösung in Sicht. Ursächlich hierfür ist maßgeblich die EU-Erweiterung, in deren Zuge die Türkei den Status eines Beitrittskandidaten anstrebt und hierfür weitgehende politische Reformen umsetzt. Bis auf Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Albanien sind die europäischen Mittelmeerländer seit der letzten Erweiterung 2004 sämtlich in der EU organisiert (die Kleinststaaten ohne formalen Mitgliedsstatus). Seit der Europa-Krise 2005 scheint die Aufnahme der Türkei allerdings wieder in Ferne zu rücken. Militärisch dagegen hat die Türkei mit dem NATO-Beitritt schon seit 1952 die Westintegration erreicht.

Ein kooperatives Verhältnis besteht größtenteils auch zwischen den arabisch-islamischen Ländern, die sich politisch und kulturell nahe stehen. Größtenteils sind sie sowohl in der Arabischen Liga als auch in der Islamischen Konferenz OIC organisiert. Die afrikanischen Staaten außer Marokko sind gleichzeitig Mitglied in der Afrikanischen Union. Bedeutend schwieriger gestaltet sich das Verhältnis zwischen Arabern und Türken, die sprachlich, ethnisch und kulturell große Unterschiede aufweisen und auch unterschiedliche ökonomische und geostrategische Ziele verfolgen. Konfliktbeladen ist insbesondere das Verhältnis zwischen Türkei und Syrien: Einerseits standen sie wiederholt in Nahost-Konflikten (insbesondere in den Golfkriegen) auf gegnerischer Seite, andererseits schwelt seit langem ein Konflikt um die Wasserreserven des Euphrat. Die Syrer verdächtigen die Türkei, den Oberlauf durch Einrichtungen von Stauseen übermäßig zu beanspruchen und damit auch eine strategische Waffe entwickelt zu haben, weil die Türkei nach Bedarf „den Hahn zudrehen“ könne.

Wichtige internationale Kooperationen bestehen über den internationalen Rahmen (UNO, WTO) hinaus zwischen verschiedenen Nationen: Die europäischen Länder sind im Europarat und der OSZE organisiert, die EU-Staaten darüber hinaus in der WEU. Die OECD zählt auch die Türkei und Israel als Mitglieder. Militärisch nicht in der NATO organisierte Staaten gehören zu einem Großteil den Blockfreien Staaten (NAM) an, die allerdings nach Beilegung des Ost-West-Konfliktes in eine strategische Grundsatzdiskussion geraten sind. Die ölexportierenden Länder Libyen und Algerien sind außerdem in der OPEC vertreten.

Hauptkonfrontation im Mittelmeerraum ist der Nahost-Konflikt. Nachdem dieser im 20. Jahrhundert ein weiträumiges Gebiet von Tunesien bis zum Iran für Jahrzehnte zum explosiven Krisengebiet gemacht hatte, konzentriert er sich seit den späten 1980er Jahren vor allem auf Israel und seine unmittelbaren Nachbarn. Dort allerdings hat er seit Beginn der zweiten Intifada an Stärke zugenommen und konnte trotz mehrfacher Vermittlung europäischer, amerikanischer und internationaler Vertreter nicht beigelegt werden. Unsicher ist auch die Lage im Libanon, in dem es seit 2005 zu antisyrischen Ausschreitungen und Mordanschlägen gekommen ist, die im Folgejahr den Bürgerkrieg und den israelisch-libanesischen Grenzkrieg wiederaufflammen ließen.

Bearbeiten Strukturelle Probleme

Strukturelle politische Probleme bedingen sich oft gegenseitig und betreffen im Mittelmeerraum hauptsächlich folgende Felder:

  • Wirtschaftliches Gefälle und Migration. Die „Festung EU“ kann im auch im Mittelmeergebiet nicht gegen illegale Einwanderung gesichert werden. Kooperationen zwischen Herkunfts- und Zielländern sind auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Zielländer behandeln das Problem unterschiedlich: Während Spanien eine Legalisierung bereits Eingewanderter anstrebt, tragen die Abwendungsversuche Italiens bisweilen militärischen Charakter.
  • Organisierte Kriminalität. Die organisierte Wirtschaftskriminalität manifestiert sich in Südosteuropa und Italien in mafiösen Strukturen und hat seit den späten 90er Jahren an Intensität und Aggressionspotenzial deutlich zugenommen. Neapel beispielsweise gilt wieder als fest in der Hand der Camorra. Bedeutend ist auch das Problem von Schleusertum und Drogenschmuggel, die trotz gelegentlicher Fahndungserfolge weiter zunehmen. Ursächlich hierfür ist das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle.
  • Terrorismus. Neben terroristischen Vereinigungen im Krisengebiet des Nahen Ostens (siehe hierzu Nahost-Konflikt) ist der Mittelmeerraum durch Anschläge durch separatistische und religiös-fundamentalistische Gruppen gefährdet. Auf das Konto der Al-Qaida gehen eine Reihe von Anschlägen in Madrid, Istanbul, Casablanca und auf der tunesischen Insel Djerba, die zusammen viele Hundert Todesopfer forderten. Ziel terroristischer Aktivitäten sind außerdem touristische Einrichtungen, die im ganzen Mittelmeerraum existieren und maximalen Effekt im Verhältnis zum Aufwand garantieren: Sie sind schlecht sicherbar und jeder Anschlag führt durch das Sinken der Buchungen zu weitreichenden Folgen für den bekämpften Staat. Religiös-fundamentalistischer Terror der GIA und anderen Gruppen ist in Algerien ein zeitweise das ganze Staatswesen bedrohender Faktor. Separatistischer Terrorismus in nennenswertem Rahmen kommt von der baskischen ETA und in geringerem Ausmaß von der korsischen FLNC.
  • Korruption. Die Staaten im Mittelmeerraum erreichen teilweise sehr niedrige Indexwerte auf der jährlich veröffentlichten Korruptionsskala von Transparency International. Auf einer Skala von 0 (extrem korrupt) bis 10 (korruptionsfrei) erreichen nach der Studie von 2004 Frankreich, Spanien, Malta, Israel, Portugal, Slowenien, Zypern und Jordanien in dieser Rangfolge Indexwerte über dem Mittel, Tunesien liegt bei einem Wert von 5,0 und rangiert dabei noch vor Italien. Die palästinensischen Gebiete, Libyen und Albanien sind am stärksten betroffen und gehören mit einem Indexwert von je 2,5 zu den korruptesten Nationen der Welt.
  • Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen. Diese sind in nicht-demokratischen Staaten naturgemäß am stärksten ausgeprägt, systematische staatliche Verfolgung kommt jedoch in vielen Regionen vor. Die größten Fortschritte in dieser Hinsicht sind in der Türkei zu beobachten. Ein verstärktes Problem ist laut Amnesty International die Bekämpfung des Terrorismus in autoritären Staaten, die zu willkürlichen Verhaftungen, unfairen Prozessen, Folter und Misshandlungen führen. Auch die Todesstrafe wird dort fast überall noch vollstreckt.

Bearbeiten Wirtschaft

Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Die Wirtschaft des Mittelmeerraums ist seit alters her geprägt von diversifizierter Landwirtschaft, Handel und Verkehr. Industrielle Schwerpunkte sind bis heute selten geblieben, dafür hat sich im gesamten Raum der Sektor der Dienstleistungen stark entwickelt. Eine besonders hervorgehobene Rolle spielt hierbei der Tourismus. Insgesamt ist der Mittelmeerraum eine Wachstumsregion, die Wachstumsraten differieren allerdings stark zwischen den Ländern. Die Wirtschaftsleistung ist in den EU-Ländern deutlich höher als in den restlichen Ländern, innerhalb der EU jedoch gelten die Regionen im Mittelmeerraum als mehrheitlich strukturschwach. Daher finden sich sehr viele Empfängergebiete von EU-Strukturhilfen im Mittelmeerraum. In Europa werden Spanien, Portugal, Italien und Griechenland oft salopp als „Club Med“ bezeichnet. Der Begriff ist entstanden, als 1992 die Konvergenzkriterien von Maastricht aufgestellt wurden, die für die südeuropäischen Länder hohe Anstrengungen erforderten. Dort waren Staatsverschuldung und Inflation besonders ausgeprägt, während die Wirtschaftsleistung relativ gering war.

Bearbeiten Landwirtschaft und Rohstoffe

Der Mittelmeerraum ist aufgrund seines Klimas und seiner natürlichen Ressourcen bis heute stark agrarisch geprägt. Innerhalb der EU sind fast alle dort gelegenen Regionen von einem überdurchschnittlich starken Primärsektor gekennzeichnet. Die südlichen und östlichen Anrainer bestreiten teilweise sogar mehr als die Hälfte ihres BIP aus landwirtschaftlicher Wertschöpfung.

Bearbeiten Land- und Forstwirtschaft

Eine Hauptrolle in der Landwirtschaft spielt der Getreideanbau, der in der Poebene intensiv (Weizen- und Reisanbau), in Nordafrika extensiv betrieben wird. Neben Weizen wird zunehmend Mais, in Afrika teils auch Hirse angebaut. Die Bodenverschlechterung hat allerdings weite Gebiete für den Getreideanbau wenig rentabel werden lassen.

Der Weinbau hat in der Mittelmeerregion eine bis auf die alten Griechen zurück reichende Tradition. Heute ist er im ganzen Großraum weit verbreitet; Überproduktion billiger Weine geht einher mit spezialisierter Kultivierung in Spitzenlagen. Führend in der Weinproduktion sind Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland, aber auch in Nordafrika, der Türkei und im Libanon existieren Anbaugebiete.